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Fünf fromme Würfel (1/5): Wenn ich die Bibel aufschlage, um eine Antwort zu bekommen

Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet. (2. Timotheus 3,16–17)

Wie oft ich das schon gemacht habe: morgens die Bibel wahllos aufschlagen, mit der stillen Hoffnung, dass genau der Vers, auf den mein Finger fällt, mir sagt, was ich tun soll. Und manchmal... manchmal hat es sogar geklappt. Genau der Satz, den ich brauchte, stand da. Ein Wunder? Eine göttliche Fügung? Vielleicht das wirken des Heiligen Geistes?

Wenn ich ehrlich weiterdenke, merke ich: Das war nicht die Methode, die getroffen hat, sondern Gott, der auch durch meine Unordnung reden kann. Die Methode selbst trägt dazu nicht bei. Denn wenn ich lange genug blättere, finde ich fast alles, was ich hören will. Der Vers wird dann nicht gehört, sondern benutzt.

Paulus schreibt Timotheus, wozu die Schrift eigentlich da ist: „damit der Mensch Gottes richtig sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt" (2Tim 3,17). Nicht: damit ich für jede einzelne Frage einen Treffer bekomme, sondern damit ich als ganzer Mensch geformt werde. Das ist ein Unterschied wie zwischen einem Orakel und einer Ausbildung. Ein Orakel gibt mir einen Satz für heute. Eine Ausbildung gibt mir mit der Zeit ein Urteilsvermögen, das auch morgen noch trägt, wenn kein Vers passend danebenliegt. Deshalb frage ich mich in letzter Zeit weniger: „Welcher Vers löst meine Frage?" und mehr: „Was hat mir das, was ich schon regelmäßig lese, in den letzten Wochen eigentlich beigebracht?" Das ist unbequemer, weil es Zeit braucht. Aber es ist ehrlicher.

Vielleicht ist das für dich genau so, wie für mich: Wir suchen den schnellen Treffer, weil wir uns vor dem langsamen Weg drücken. Dem täglichen Lesen im Zusammenhang, bei dem sich langsam ein Sinn formt, welcher erst dann, wenn die Entscheidung wirklich ansteht, weiterhilft und Antworten gibt.

Frage für heute: Wann habe ich zuletzt einen Bibelvers benutzt, statt ihn zu hören? Und was würde sich ändern, wenn ich ihn in seinem Kontext lese?