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Fünf fromme Würfel (4/5): Wenn ich Gott ein Zeichen abverlange

Richter 6,36–40

„Herr, wenn er sich bis Freitag meldet, dann weiß ich, dass es dein Wille ist." Ich habe solche Sätze schon gebetet, modernisierte Versionen von Gideons Vlies. Und ich habe mich dabei immer ein bisschen fromm gefühlt, weil es ja eine biblische Methode ist... oder?

Als ich Richter 6 dann noch mal genauer gelesen habe, ist mir etwas aufgefallen, das ich vorher übersehen hatte: Gideon hatte die Zusage von Gott. Schon längst. Der Engel des HERRN war ihm erschienen, das Feuer war aus dem Felsen aufgestiegen, Gott hatte klipp und klar gesagt: „Ich werde mit dir sein". Das Vlies kam danach. Nach dem Zeichen welches Gott bereits gegeben hatte, eben weil er wusste das Gideon sich sonst nicht bewegt. Die Zeichen die Gideon dann verlangte waren kein Weg zur Erkenntnis, sondern eine Art in alte Lebensweisen. Gideon hatte die Erkenntnis bereits aus Gottes Offenbarung erhalten. Und er selbst wusste, dass das nicht ganz in Ordnung war: „Dein Zorn entbrenne nicht gegen mich, und ich will nur noch diesmal reden" (Ri 6,39). Eine gute Methode muss man nicht entschuldigen.

Das Neue Testament ist an dieser Stelle nicht milder, sondern schärfer. Jesus nennt das Zeichenfordern nicht nachsichtig, sondern direkt: „Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht verlangt nach einem Zeichen" (Mt 12,39). Und: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so werdet ihr nicht glauben" (Joh 4,48). Jesus sieht das Zeichen fordern als Diagnose an, nicht als Kompliment. Paulus verstärkt das konsequent: „Wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen" (2Kor 5,7).

Das trifft mich, weil ich mein eigenes Zeichenfordern nie so genannt hätte. Aber ehrlich betrachtet ist es genau das: ein selbstgebauter Zufallsmechanismus mit frommem Etikett. Ich lege selbst fest, was als Antwort gilt, also bestimme ich die Antwort mit. Und wenn sie mir nicht passt, verschiebe ich still den Termin. Zumindest geht es mir so...

Was mich frei gemacht hat, ist Jakobus 1,5: nicht ein Zeichen erbitten, sondern Weisheit. Ersteres nimmt mir die Verantwortung ab, Gott soll für mich entscheiden, ohne dass ich urteilen muss. Zweiteres macht mich fähig, selbst zu urteilen, mit Gottes Hilfe. Das ist mühsamer, aber es lässt mich wachsen, statt mich zu vertrösten oder zu bevormunden.

Frage für heute: Was tue ich eigentlich, wenn mein „Zeichen" falsch ausfällt? Die ehrliche Antwort darauf verrät oft mehr über mich, als mir lieb ist.

  • Gideon
  • Zeichen
  • Vlies
  • Weisheit
  • Gottes Wille