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Johannes 4,28-29

Jesus, eine Frau und ein Wasserkrug.

Da ließ nun die Frau ihren Wasserkrug stehen, ging in die Stadt zurück und sagte zu den Leuten dort: Kommt und seht einen Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe! Sollte dieser vielleicht Christus sein? Johannes 4,28-29

Sie war zum Brunnen gekommen, um Wasser zu holen. Deshalb der Krug. Und jetzt lässt sie ihn einfach stehen. Johannes hätte dieses Detail weglassen können, aber er erwähnt es. Denn der zurückgelassene Krug erzählt eine ganze Geschichte.

Das griechische Wort für „stehen lassen" ist aphíēmi. Dasselbe Wort heißt an anderen Stellen im Neuen Testament: "vergeben, loslassen, aufgeben".

Die Fischer am See ließen so ihre Netze zurück, als Jesus sie rief. Die Frau lässt hier das Werkzeug ihres alten Lebens liegen, weil sie etwas gefunden hat, das ihren alten Durst überflüssig macht.

Sie war gekommen, um Wasser zu schöpfen, um zu überleben. Sie geht, weil sie lebendiges Wasser gefunden hat, um ewig zu leben.

Was lassen wir bei Jesus stehen?

Jeder von uns kommt mit einem Krug zum Brunnen. Wir kommen mit dem, was wir für nötig halten: Anerkennung, Sicherheit, ein bestimmtes Bild von uns selbst, das wir mühsam füllen und tragen. Und manchmal begegnet uns Jesus so, dass wir merken: Diesen Krug brauche ich gar nicht mehr. Was ich in ihm suchte, gibt er mir längst. Nur anders, tiefer, unerschöpflich.

Die Frau geht mit leeren Händen zurück. Aber sie ist nicht leer. Sie trägt jetzt etwas anderes in die Stadt: Christus in ihrem Herzen.

Der Grund, den sie verstecken wollte Und hier wird es seelsorgerlich kostbar. Diese Frau kam zur Mittagszeit an den Brunnen, zur heißesten Stunde, wenn sonst niemand dort ist. Warum? Weil sie den Blicken ausweichen wollte. Ihre Geschichte mit den fünf Männern war Stadtgespräch. Sie schämte sich. Jesus rührt genau an diese Wunde an (V. 16–18).

Er sieht sie ganz, auch das Verborgene. Und dann geschieht das Erstaunliche: Das, wofür sie sich schämte, wird zum Grund ihres Glaubens. „Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe", das ist ihr Zeugnis. Nicht: "Er hat weggeschaut." Sondern: "Er hat hingeschaut und mich nicht verworfen" . Gekannt zu sein und trotzdem angenommen, das ist die Erfahrung, die sie so drängt, dass sie ihren Krug vergisst.

Ihr Zeugnis ist eine Einladung Sie hält keinen Vortrag. Sie sagt schlicht: „Kommt und seht." Und sie fragt vorsichtig, fast tastend: „Sollte dieser vielleicht Christus sein?" Kein fertiges Bekenntnis, sondern eine offene Frage, die die anderen selbst zu Jesus zieht. Und tatsächlich glauben viele. Am Ende nicht mehr ihretwegen, sondern weil sie selbst gehört haben (V. 42).

Wo verstecke ich mich noch vor Gott, zur Mittagszeit, wo mich niemand sieht? Vielleicht ist gerade das, was ich verbergen will, die Stelle, an der Jesus mich am tiefsten berühren und verändern möchte. Er schaut hin. Und er verdammt mich nicht.

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