Johannes 4,31-32
Die andere Speise
Inzwischen aber baten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iss! Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt! Johannes 4,31-32
Die Jünger sehen Jesus und denken an das Naheliegende. Sie bitten ihn: „Rabbi, iss!“ Sein Körper ist müde. Er war auf der Reise. Er saß am Brunnen. Natürlich braucht er Nahrung. Doch Jesus antwortet nicht einfach: „Ich habe keinen Hunger.“ Er spricht von einer Speise, die die Jünger nicht kennen. Dieses Wort „Speise“ meint zunächst wirkliche Nahrung. Doch Jesus gebraucht es hier, um auf etwas Tieferes hinzuweisen. Es gibt für ihn eine Nahrung, die nicht auf dem Tisch liegt. Etwas, das seine Seele erfüllt und seinem Leben Richtung gibt. Die Jünger kennen diese Speise noch nicht.
Dabei sehen wir etwas vom Herzen unseres Herrn. Der Herr Jesus lebt nicht für sich selbst. Sein Leben ist ganz auf den Willen seines Vaters ausgerichtet. Das hatte er bereits grundsätzlich ausgesprochen: [Matthäus 4,4] „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht.“ Das bedeutet nicht, dass körperliche Bedürfnisse unwichtig wären. Jesus selbst kennt Hunger, Müdigkeit und Durst. Aber der Mensch besteht nicht nur aus dem, was sein Körper verlangt. Es gibt eine tiefere Frage: Wovon lebt mein Herz? Was gibt meinem Leben seine eigentliche Richtung, was gibt meinem Leben Sinn?
Vielleicht kennen wir die Spannung. Wir sorgen uns um Essen, Arbeit, Geld, Termine und unsere eigenen Angelegenheiten. Wir denken an das, was dringend ist. Doch wo bleibt der Wille Gottes? Wo vertraue ich mehr auf meine Versorgung als auf den, der mich versorgt? Ist mir das wirklich ein Bedürfnis? Gottes Willen zu tun? Und ist der Auftrag Christi größer als meine Sorge um mich selbst?
Jesus hatte gerade mit einer einzelnen Samariterin gesprochen. Noch wissen wir nicht, wohin das führt. Aber schon hier wird sichtbar, dass sein Leben nicht von Selbstsorge bestimmt wird. Er ist gekommen, um den Willen des Vaters zu tun.
Auch wir brauchen Nahrung für unseren Leib. Aber unser eigentliches Leben hängt nicht daran. Christus selbst ist der Herr, dessen Leben vollkommen auf den Vater ausgerichtet war. Wer ihm gehört, darf lernen, nicht nur zu fragen: Was brauche ich? Sondern auch: Was will mein Herr und Gott?