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Johannes 4,37

Die unsichtbare Saat

Denn hier ist der Spruch wahr: Der eine sät, der andere erntet. Johannes 4,37

Kennst du das? Du investierst Zeit, Gebet und Herzblut in einen Menschen, und es tut sich einfach nichts. Kein Interesse, keine Fragen, keine Veränderung. Vielleicht ist es sogar so, dass dann jemand ganz anderes dir erzählt, wie genau dieser Mensch bei ihm zum Glauben gekommen ist. Da kann man schon mal schlucken.

Jesus greift in unserem heutigen Vers ein Sprichwort auf, das damals jeder kannte: Der eine sät, der andere erntet. Ehrlich gesagt war das kein schöner Spruch. Im Alten Testament stand er für Pech und Gericht: Du schuftest auf dem Feld, und am Ende fährt ein Fremder deine Ernte ein. Ziemlich frustrierend. Aber Jesus dreht den Spruch um. Er steht gerade am Jakobsbrunnen, und eine ganze Stadt voller Samariter ist auf dem Weg zu ihm. Seine Jünger dürfen ernten, wo andere gesät haben: Mose, die Propheten, Johannes der Täufer und Jesus selbst. Und das Entscheidende steht im Vers davor: Säende und Erntende freuen sich miteinander. Was früher ein Fluch war, wird im Reich Gottes zum Segen.

Daraus ergeben sich zwei Dinge, die ganz wunderbar sind:

Erstens: Wenn du säst und nichts siehst, ist deine Arbeit trotzdem nicht umsonst. Gottes Wort ist wie Saatgut. Es liegt manchmal lange in der Erde, unsichtbar, scheinbar tot. Aber Gott sagt in Jesaja 55 dass sein Wort nicht leer zurückkommt. Die Samariter hatten jahrhundertelang die Bücher Mose gelesen. Das schien nichts zu bewirken, bis Jesus kam. Vielleicht ist dein Kindergottesdienst, dein Gespräch mit dem Kollegen oder dein jahrelanges Gebet für dein Kind genau so eine Saat.

Gott misst nicht deinen sichtbaren Erfolg, sondern deine Treue (1. Korinther 4,2). Du musst die Ernte nicht machen. Du darfst einfach säen.

Zweitens: Wenn du erntest, dann bleib demütig. Keine Bekehrung fällt vom Himmel ohne Vorgeschichte. Hinter jedem Menschen, der zum Glauben kommt, stehen oft Eltern, die gebetet haben, Freunde, die drangeblieben sind, ein Prediger, der vor zehn Jahren etwas gesagt hat, das hängen geblieben ist. Wenn du also das Vorrecht hast, Frucht zu schmecken, dann denk an die, die vor dir gearbeitet haben.

Vor allem, denk an den, der das Wachstum schenkt. Paulus bringt es auf den Punkt: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, aber Gott hat das Gedeihen gegeben.“ Das Schöne daran ist, dass es keinen Wettbewerb gibt. Säen und Ernten sind keine Ränge, sondern Aufgaben. Der eine ist nicht wichtiger als der andere. Wir sind alle Gottes Mitarbeiter auf demselben Feld, und die Freude gehört allen.

Vielleicht bist du heute eher ein Sämann, der müde geworden ist. Dann lass dich ermutigen: Werd nicht müde, Gutes zu tun, denn zu seiner Zeit wird geerntet (Galater 6,9). Säe mit vollen Händen, auch wenn es manchmal frustrierend ist, oder hart.

Vielleicht bist du gerade ein Erntender. Dann sag heute mal Danke, Gott und vielleicht auch einem Menschen, der vor dir gesät hat. Am Ende ist es nämlich nicht deine Ernte und nicht meine. Es ist seine.

  • Treue
  • Demut
  • Gemeinschaft im Dienst