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Johannes 4,49-50

Ein Wort genügt

Der königliche Beamte spricht zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt! Und der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sprach, und ging hin. Johannes 4,49-50

Der Spiegel ist vorgehalten. Jesus hat dem Vater gesagt, woran sein Glaube noch mangelt. Wie reagiert ein Mann, der es gewohnt ist, Recht zu haben? Er rechtfertigt sich nicht. Er erklärt nicht, dass sein Glaube doch gar nicht so schlecht sei. Er sagt nur: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt!

Im Griechischen steht hier ein kleines, zärtliches Wort: paidion, „mein Kindlein“. Vorher war vom „Sohn“ die Rede. Jetzt bricht das Herz des Vaters durch. Der Hofbeamte weicht zurück, zum Vorschein kommt ein Vater, der Angst um sein Kind hat und nichts mehr vorzuweisen hat außer seiner Not. Genau so darfst du auch kommen. Du musst Jesus nicht erst beweisen, dass dein Glaube stark genug ist. Du brauchst keine geordneten Gedanken und keine schönen Formulierungen. Wenn du dir Sorgen um dein Kind machst, um den Sohn, der sich von Gott entfernt hat, um die Tochter, die nachts nicht schlafen kann, um das Enkelkind mit der schweren Diagnose, dann darfst du es so sagen, wie es ist. Bei Jesus wird kein Vater und keine Mutter abgewiesen, weil die Worte zu schlicht oder der Glaube zu klein ist.

Jesus geht nicht mit. Aber er gibt etwas, das mehr ist als seine Begleitung: Geh hin, dein Sohn lebt! Nicht „er wird gesund werden“, nicht „ich bete für ihn“. Sondern: Er lebt. Jetzt. In diesem Augenblick. Hier spricht nicht ein Wunderheiler, der eine Technik beherrscht. Hier spricht der, durch den am Anfang alles ins Dasein gerufen wurde (Joh 1,3). Sein Wort beschreibt nicht nur, was ist; es schafft, was es sagt. Kurz darauf wird Jesus im Johannesevangelium erklären, dass die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören und leben werden (Joh 5,25). Was in Kana an einem kranken Jungen geschieht, ist ein Vorgeschmack davon. Der Herr über Leben und Tod braucht nur zu sprechen. Und dasselbe Wort gilt dir. Wer auf Jesus hört und ihm glaubt, hat ewiges Leben (Joh 5,24). Das Leben, das du von Gott brauchst, kommt nicht aus deinen Gefühlen und nicht aus besonderen Erlebnissen. Es kommt aus seinem Wort.

Dann folgt ein unscheinbarer Satz: Der Mensch glaubte dem Wort … und ging hin. Johannes nennt ihn hier nicht mehr den „königlichen Beamten“, sondern schlicht „den Menschen“. Rang und Titel spielen keine Rolle mehr. Da steht einer, der Jesus beim Wort nimmt. Und er geht. Ohne Beweis, ohne Nachricht von zu Hause, ohne Jesus an seiner Seite. Nur mit einem Satz im Herzen. Die Zeitform im Griechischen beschreibt ein andauerndes Gehen: Er war unterwegs. Stunde um Stunde den Berg hinunter, mit nichts als diesem Wort. Gestern war er der Bittende. Heute ist er der Glaubende.

Vielleicht bist du gerade auch auf so einem Heimweg. Du hast deine Sorge um dein Kind bei Jesus abgegeben, aber zu sehen ist noch nichts. Das Telefon klingelt nicht mit der erlösenden Nachricht. Dann ist dein Weg nicht vergeblich. Du gehst nicht mit leeren Händen. Du trägst sein Wort. Egal was das Ergebnis ist, Gottes Wort bleibt.

  • Wort Gottes
  • schwacher Glaube
  • Sorge um die Kinder