Römer 3,28
Sola Fide - Das Wort, das nicht dasteht
So kommen wir nun zu dem Schluss, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes. Römer 3,28
„Allein.“ Ein kleines Wort, gerade mal 6 Buchstaben. Und doch hat es Luther jede Menge Ärger eingebracht. In seiner Übersetzung von Röm 3,28 setzte er dieses Wort ein: Der Mensch wird allein durch den Glauben gerecht. Seine Gegner rieben sich die Hände. Da hat er doch was dazugedichtet! Im Griechischen steht kein „allein“. Und es stimmt sogar.
Luther wusste das auch. In seinem Sendbrief vom Dolmetschen (1530) erklärte er: Wer auf Deutsch „ohne Werke“ sagt, meint „allein durch Glauben“. So redet man eben. Und genau das ist der Sinn, den Paulus meint. Schauen wir genauer hin. Paulus beginnt mit logizometha: wir urteilen, wir ziehen die Summe. Das klingt fast nach Buchhaltung. Ab V. 21 hat er alles durchgerechnet, jetzt steht unter dem Strich das Ergebnis. Das Ergebnis heißt: gerechtfertigt. "Dikaiousthai" stammt aus dem Gerichtssaal. Der Richter erklärt jemanden für gerecht. Das ist ein Freispruch. Kein langer innerer Prozess, an dessen Ende man hofft, gut genug geworden zu sein. Gott spricht frei, und dann gilt das. Wodurch? "Pistei" , durch Glauben. Und ganz ausdrücklich "chōris ergōn nomou" , ohne Gesetzeswerke. Da bleibt für meine Leistung nichts übrig.
Jetzt könnte man denken: Dann ist eben der Glaube meine Leistung. Ich bringe den Glauben, Gott den Rest. Aber so funktioniert das nicht. Glaube ist kein Ersatzwerk. Er ist die leere Hand, die nimmt, was Gott hinhält. Ein Bettler rühmt sich ja auch nicht, weil er die Hand ausgestreckt hat. Erinnert euch an den Beamten vom Hof des Herodes und seinen Sohn.
Und Jakobus? Der schreibt doch, dass der Mensch aus Werken gerechtfertigt wird (Jak 2,24). Widerspruch? Nein. Die beiden schauen aus verschiedenen Richtungen. Paulus fragt, wie ein Sünder vor Gott gerecht wird. Jakobus fragt, woran man vor Menschen sieht, dass ein Glaube echt ist. Echter Glaube bleibt nicht tatenlos. Aber er rettet nicht wegen der Taten.
Luther hatte jahrelang mit der Gerechtigkeit Gottes gerungen. Er hasste dieses Wort fast, denn er verstand darunter die Gerechtigkeit, die straft. Dann ging ihm an Röm 1,17 auf: Gemeint ist die Gerechtigkeit, die Gott dem Glaubenden schenkt. Später schrieb er, er habe sich gefühlt, als seien ihm die Tore des Paradieses aufgegangen.
Rom hat das nicht akzeptiert. Das Konzil von Trient verwarf 1547 die Rechtfertigung allein aus Glauben. Die lutherische Tradition dagegen nannte sie den Artikel, mit dem die Kirche steht und fällt.
Und was heißt das an einem ganz normalen Wochentag?
- Meine Gewissheit hängt nicht an meiner Tagesform. Nicht daran, wie lange ich gebetet habe oder wie geduldig ich mit den Kindern war.
- Sie hängt an Gottes Urteil. Und das ist schon gesprochen.
Ich weiß, ich bin gerechtfertigt. Ich weiß auch, wodurch. Aber lebe ich so? Oder stehe ich immer noch vor dem Richter und versuche, mein Urteil nachzuverhandeln?
- Glaube
- Rechtfertigung
- Heilsgewissheit