Nach Gottes Zeitplan
„Als nun der Herr erfuhr, dass die Pharisäer gehört hatten, dass Jesus mehr Jünger mache und taufe als Johannes, da verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa.“ (Johannes 4,1-3)
Es gibt Zeiten, in denen Gott Türen öffnet und Frucht schenkt. Doch gerade dann besteht die Versuchung, menschliche Konflikte zu provozieren oder die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. In den heutigen Versen sehen wir den Herrn Jesus auf dem Höhepunkt eines wachsenden Dienstes. Immer mehr Menschen kamen zu ihm. Seine Jünger tauften, und die Zahl seiner Nachfolger übertraf bereits die des Johannes. Doch anstatt die öffentliche Aufmerksamkeit auszukosten oder die religiösen Führer herauszufordern, zieht sich Jesus aus Judäa zurück und geht nach Galiläa.
Johannes macht deutlich, dass die Pharisäer von Jesu wachsendem Einfluss erfahren hatten. Das bedeutet nicht, dass Jesus Angst vor ihnen hatte. Später wird er ihnen offen entgegentreten und schließlich freiwillig den Weg zum Kreuz gehen. Aber seine Stunde war noch nicht gekommen (Joh 7,30; 8,20).
Jesus ging einem vorzeitigen Konflikt mit den religiösen Führern aus dem Weg. Er handelte nicht nach menschlichem Ehrgeiz, wie ich es vielleicht getan hätte, sondern nach dem Zeitplan seines Vaters. Er entzog sich nicht aus Furcht, sondern aus Gehorsam. Zugleich verhinderte Jesus dadurch eine Rivalität zwischen seinen Anhängern und denen des Johannes. Diesen Konflikt haben wir schon genauer betrachtet.
Spurgeon bemerkte einmal sinngemäß, dass Christus nie vor einer Schlacht floh, sondern immer den Weg wählte, den sein Vater für ihn bestimmt hatte. Der Rückzug war kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck vollkommener Abhängigkeit.
Wir neigen dazu, Erfolg festhalten zu wollen und Widerstände sofort zu bekämpfen. Doch unser Herr lehrt uns etwas anderes. Nicht jede offene Tür soll mit Gewalt durchschritten werden. Nicht jeder Konflikt muss gesucht werden. Nicht jede Gelegenheit, sich zu behaupten, kommt von Gott. Manchmal besteht geistliche Reife gerade darin, auf Gottes Zeit zu warten und sich von ihm führen zu lassen. Christus lief seiner Stunde nicht voraus. Er war nie getrieben von Menschenfurcht und nie gelenkt von Menschenlob. Er lebte allein unter der Herrschaft seines Vaters. Und gerade weil er nach Galiläa ging, kam er nach Samaria. Und gerade weil er zu Samaria kam, wurde eine verlorene Frau gefunden und eine ganze Stadt hörte das Evangelium.
Wer Christus nachfolgt, muss nicht den schnellsten oder sichtbar erfolgreichsten Weg wählen. Es genügt, den Weg zu gehen, den der Vater bestimmt. Denn auch hinter scheinbaren Umwegen stehen seine Weisheit und seine rettenden Absichten.