Gerüstet für den Tag Tägliche Andachten

Der Finger in der Wunde

„Jesus spricht zu ihr: Geh hin, rufe deinen Mann und komm her!“ (Johannes 4,16)

Jesus legt den Finger genau in die Wunde. Es wirkt fast überraschend. Eben noch spricht Jesus von lebendigem Wasser, von der Gabe Gottes und vom ewigen Leben. Doch plötzlich richtet Er das Gespräch auf einen ganz anderen Punkt: „Rufe deinen Mann.“

Jesus wechselt das Thema nicht, er geht zum Kern des Problems. Die Samariterin sehnte sich nach Erfüllung, Frieden und echter Liebe. Doch ihr Herz war verwundet. Fünf Männer hatte sie gehabt, und der, mit dem sie nun lebte, war nicht ihr Mann. Immer wieder hatte sie versucht, ihren Durst an den falschen Quellen zu stillen. Nun legt Jesus den Finger genau auf diese Wunde.

So handelt der Herr auch heute. Er spricht nicht nur oberflächlich über unsere Probleme. Er deckt auf, was tief in unserem Herzen verborgen liegt. Stolz, Unvergebenheit, Schuld, falsche Sicherheiten oder ungeordnete Begierden, nichts bleibt vor Seinem Blick verborgen. Das kann schmerzhaft sein. Doch Jesus tut das niemals, um zu verletzen oder zu beschämen. Er deckt auf, weil Er heilen will.

Ein Arzt, der eine Wunde behandelt, muss sie zuerst öffnen und reinigen. Das schmerzt. Würde er den Schmerz meiden, bliebe die Entzündung bestehen. Genauso handelt Christus. Er verschweigt die Wahrheit nicht. Seine Liebe zeigt sich gerade darin, dass Er uns nicht in unserer Sünde und unserem Elend lässt.

Deshalb sollten wir nicht vor diesem heiligen Schmerz fliehen. Wenn Gottes Wort uns überführt und der Heilige Geist unser Gewissen trifft, ist das ein Ausdruck der Gnade. Der Herr deckt nur das auf, was Er auch vergeben, reinigen und heilen möchte. Er reißt keine Wunde auf, um sie offen zu lassen. Er ist derselbe, der das lebendige Wasser schenkt, das den tiefsten Durst der Seele stillt.

Vielleicht zeigt Christus dir gerade einen Bereich deines Lebens, den du lieber verborgen halten würdest. Widerstehe nicht Seiner Stimme. Halte diesen Schmerz aus und bringe Ihm alles im Gebet. Denn die Hand, die die Wunde berührt, ist dieselbe Hand, die am Kreuz für unsere Schuld durchbohrt wurde. Er allein kann das heilen, was kein Mensch und keine irdische Quelle jemals stillen kann.