Gerüstet für den Tag Tägliche Andachten

Wahr, aber nicht die Wahrheit

„Die Frau antwortete und sprach: Ich habe keinen Mann! Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann!“ (Johannes 4,17)

Sie wollte nicht ehrlich sein, sie wollte es verheimlichen. Sonst hätte sie gesagt "weißt du, Herr, der Mann der bei mir schläft ist garnicht mein richtiger Mann... Ich weiß das ist nicht gut, aber es ist gerade schwierig für mich". Nein sie versucht sich raus zu winden. Wie bei Abraham, als er sagte das seine Frau seine Schwester ist. Es ist eine Lüge, auch wenn die Behauptung wahr ist. Sie sagt etwas wahres aber nicht DIE WAHRHEIT!

Und wir können das 1 zu 1 auf uns beziehen. Wie oft sagen wir etwas wahres aber nicht die Wahrheit? Und wie oft rechtfertigen wir uns dabei? Das Prinzip ist heute genauso relevant. Wir machen es bloß häufig subtiler: Der Chef fragt: „Warum ist die Aufgabe noch nicht fertig?“ Und man antwortet: „Ich hatte heute ziemlich viele andere Sachen zu erledigen.“ Das kann völlig wahr sein. Aber wenn die eigentliche Wahrheit lautet: „Ich hatte keine Lust, habe die Aufgabe vor mir hergeschoben und mich deshalb mit anderen Dingen beschäftigt“, dann wurde die Wahrheit benutzt, um die Wahrheit zu verdecken.

Oder jemand fragt: „Hast du dich über ihn geärgert?“ Und wir sagen: „Nein, ich war nur enttäuscht.“ Vielleicht stimmt das. Aber wenn hinter dieser „Enttäuschung“ eigentlich Zorn, verletzter Stolz und Bitterkeit stehen, haben wir vielleicht gerade eine elegante Form der Selbsttäuschung betrieben.

Oder wir sagen über unser geistliches Leben: „Ich habe gerade einfach eine schwere Phase.“ Auch das kann stimmen. Aber manchmal bedeutet es in Wirklichkeit: „Ich weiß, was Gott von mir verlangt, aber ich möchte es nicht tun.“ Die Aussage ist dann nicht unbedingt falsch. Sie ist nur nicht ehrlich genug.

Jesus sät seine Samen nur auf Wahrheit. Dort wo wir uns verstecken, wie Adam im Garten Eden, muss er aufdecken, dass wir nackt sind. Das kann schmerzhaft und beschämend sein. Der Satan arbeitet mit Wahrheit, die aus ihrem Zusammenhang gerissen oder falsch angewandt wird. Schon bei der Versuchung Jesu in Matthäus 4 zitiert er tatsächlich die Heilige Schrift, aber er gebraucht Gottes Wahrheit, um Jesus zu einer falschen Handlung zu verleiten.

Das Prinzip ist deshalb nicht: „Alles, was wahr ist, ist automatisch wahrhaftig.“ Sondern: Wahrhaftigkeit bedeutet, die Wahrheit nicht manipulativ so auszuwählen, dass dadurch ein falscher Eindruck entsteht. Das ist viel anspruchsvoller.