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1. Timotheus 2,5-6

Solus Christus - Keine Warteschleife

Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat. [Das ist] das Zeugnis zur rechten Zeit, 1. Timotheus 2,5-6

Wann hast du zuletzt in einer Warteschleife gehangen? Erst Musik. Dann eine freundliche Stimme: Für Fragen zur Rechnung drücken Sie die Eins. Wieder Musik. Dann ein Mitarbeiter, der leider nicht zuständig ist und weiterverbindet. Und irgendwann bist du raus aus der Leitung.

Im Mittelalter fühlte sich der Weg zu Gott für viele ähnlich an. Gott ist heilig und fern, Christus der strenge Richter. Wer wagt sich da direkt hin? Also wandte man sich an Maria. An die Heiligen, die doch Fürsprache einlegen konnten. An den geweihten Priester, ohne den es kein Sakrament gab. Und in jeder Messe wurde, so lehrte man, das Opfer Christi wiederholt. Lauter Zwischenstationen. Paulus räumt das in einem Satz ab. Das erste Wort im Griechischen ist heis: einer. Betont, ganz vorne. Ein Gott. Und genauso ein Mittler. Nicht der wichtigste unter mehreren. Der einzige. Ein "mesitēs" steht zwischen zwei Parteien und vertritt beide. Wer zwischen Gott und Menschen vermitteln will, muss also beides sein. Christus ist genau das: wahrer Gott und wahrer Mensch. Auffällig ist, dass Paulus hier gerade das Menschsein betont: der Mensch Christus Jesus. Er kennt unsere Lage von innen. Er hat gehungert, geweint und ist versucht worden, doch ohne Sünde (Hebr 4,15).

Wir brauchen keinen Heiligen, der für uns ein gutes Wort einlegt. Christus ist uns näher als jeder Heilige. V. 6 sagt, was dieser Mittler getan hat. Er gab sich selbst als "antilytron hyper pantōn" , als Lösegeld zugunsten aller. Am Kreuz ist Gottes Heiligkeit im Blick auf die Sünde vollkommen Genüge getan worden. Dieses Werk hat Wert für alle Menschen. Darum kann das Evangelium jedem ehrlich angeboten werden, ohne Hintergedanken. Und wer glaubt, darf sagen: Er hat meine Sünden getragen, an meiner Stelle.

Dieses Opfer geschah ein für alle Mal (Hebr 10,10). Es muss nicht wiederholt, ergänzt oder nachgebessert werden. Wer am Kreuz noch etwas ergänzen will, sagt im Grunde: Es war nicht genug.

Die Reformatoren haben das klar ausgesprochen. Die Confessio Augustana von 1530 lehnte die Anrufung der Heiligen ab, weil die Schrift nur einen Mittler kennt. Und Luther zog schon 1520 die Folgerung: Wenn Christus der einzige Mittler ist, hat jeder Glaubende durch ihn direkten Zugang zu Gott. Das ist das Priestertum aller Gläubigen (vgl. 1Petr 2,9).

Über mittelalterliche Heiligenverehrung lächeln wir vielleicht. Aber haben wir nicht unsere eigenen Zwischenstationen? Andere sollen für mich beten, ich selbst traue mich kaum. Die Glaubensschwester mit dem starken Gebetsleben hat sicher den besseren Draht. Oder ich meine, ich müsste mich erst sortieren, bevor ich mit Gott reden darf.

Nein. Keine Warteschleife, keine Durchwahl. Einer steht zwischen Gott und mir. Und er hat die Leitung mit seinem eigenen Leben freigemacht.

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