Römer 11,36
Soli Deo Gloria - Die ganze Ehre
Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen. Römer 11,36
Drei Kapitel lang hat Paulus gerungen. Röm 9 bis 11 gehören zu den dichtesten Abschnitten der ganzen Bibel. Warum hat Israel seinen Messias abgelehnt? Hat Gott sein Volk verstoßen? Was wird aus den Verheißungen an Abraham und David? Paulus antwortet sorgfältig. Ein Teil Israels ist verstockt, aber nicht für immer. In der Zwischenzeit werden Menschen aus den Völkern gerettet. Und wenn die Vollzahl der Nationen eingegangen ist, wird ganz Israel gerettet werden (11,25–26). Gott steht zu seinem Wort. Bis ins Letzte.
Und dann? Kein weiteres Argument. Kein letzter Beweis. Paulus legt gewissermaßen den Stift hin und staunt über die Tiefe von Gottes Reichtum, Weisheit und Erkenntnis (11,33). Die Theologie mündet in Anbetung. Ehrlich gesagt: So sollte Theologie immer enden.
Kurz davor stellt er eine Frage, bei der man schlucken muss: Wer hat Gott zuerst etwas gegeben, sodass Gott es ihm zurückzahlen müsste (11,35)? Niemand. Kein Mensch hat einen Anspruch an Gott. Wir können ihm nichts vorstrecken, was er uns dann schuldig wäre. Dann folgt unser Vers. Drei kleine Präpositionen umspannen das ganze Universum. "Ex autou": aus ihm. Gott ist die Quelle von allem. "Di' autou": durch ihn. Alles geschieht durch sein Wirken. "Eis auton": auf ihn hin. Alles läuft auf ihn zu.
Und dann "hē doxa" , mit Artikel. Nicht ein bisschen Ehre. Die Ehre. Die ganze. Damit sind wir beim fünften Sola, das die anderen vier zusammenfasst. Wenn allein die Schrift sagt, was wahr ist, wenn allein Gnade rettet, allein Glaube empfängt und allein Christus alles vollbracht hat … was bleibt dann für mich zum Rühmen übrig? Nichts (Röm 3,27). Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn (1Kor 1,31).
Die Reformatoren haben das nicht auf den Sonntag beschränkt. Luther lehrte, dass nicht nur der Mönch im Kloster Gott dient, sondern ebenso die Magd im Stall und der Handwerker an seiner Werkbank. Ehrliche Arbeit kann Gottesdienst sein. Calvin stellte die Ehre Gottes in die Mitte seines Denkens. Und Johann Sebastian Bach setzte unter viele seiner Werke drei Buchstaben: SDG.
Diese drei Buchstaben dürfen auch unter unserem Leben stehen. Unter der Steuererklärung genauso wie unter dem Bibelabend. Unter dem Windelwechseln. Unter dem Gespräch mit dem Kollegen, der gerade eine schwere Diagnose bekommen hat. Unter dem, was keiner sieht.
Ich ertappe mich oft dabei, dass ich ein kleines Stück Ehre doch gern für mich behalten würde. Für das gelungene Projekt. Für das gute Wort zur rechten Zeit. Aber Röm 11,36 lässt da keine Lücke. Alles ist aus ihm. Alles geschieht durch ihn. Alles läuft auf ihn zu. Darum gehört ihm allein die Ehre.
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